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Elisabeth Meister im Interview des IHK Magazin "wirtschaft"

Lesedauer: 7 Minuten
Elisabeth Meister im Interview des IHK Magazin "wirtschaft"

"Wir haben gelernt, dass wir mit Veränderungen umgehen können", sagt Geschäftsführerin Elisabeth Meister über die Lehren aus der Coronakrise.

 

Im Folgenden ein Feature des IHK Magazins wirtschaft, Ausgabe Juli 2021, über Ludwig Meister. In dem diesem Artikel zu Grunde liegenden Gespräch zwischen unserer Geschäftsführerin Elisabeth Meister und Cornelia Knust vom IHK Magazin erläuterte Elisabeth Meister unter anderem die aktuellen Markt- und Geschäftsentwicklungen und gewährt auch den einen oder anderen Rückblick in die nähere Vergangenheit des Familienunternehmens. Generationenübergang, Corona-Auswirkungen und auch zukünftige Home Office Regelungen gehören zu den angesprochenen Themen.

 

Hier der Artikel im Original, viele Freude beim Lesen:

 

 

In Handelsfirmen gibt es zu normalen Zeiten wenig Spektakuläres zu sehen: hier Büros, Besprechungsräume, Bildschirme, dort Kontore und Lager, in denen Roboter die bestellten Teile zusammensuchen. Als wegen Corona die Mitarbeiter ins Homeoffice auswichen, waren sogar die Roboter allein. Nicht einmal einzelne Besucher wurden zugelassen, um ihnen bei der Arbeit zuzuschauen.

 

"In die Firma kommt man, weil man will, nicht muss."

 

Elisabeth Meister, Gesellschafterin und Geschäftsführerin der Ludwig Meister GmbH & Co. KG, Dachau, denkt vor allem über die Einsamkeit der Menschen nach: »Sie wurden von Staats wegen distanziert. Soziale Medien suggerierten ihnen eine gewisse Form von Gemeinschaft. Doch eher wenige fragten: Wie geht es dir eigentlich?«, sagt die 41-Jährige. Zwar will die Unternehmerin, wenn die Ansteckungsgefahr vorbei ist, den Mitarbeitern anbieten, bis zu 50 Prozent ihrer Arbeitszeit vom Heimbüro aus zu absolvieren. Doch: »In die Firma kommt man, weil man will, nicht, weil man muss. Sie soll ein Ort der Begegnung sein. Die Kultur ist der Klebstoff, der bleiben muss.«

Die Firma gibt es seit 1939. Ludwig Meister, einst Vertriebler beim Kugellagerhersteller SKF, gründete sie in der Münchner Goethestraße, musste aber gleich darauf Soldat werden. Nach dem Krieg begann er mit einem Laden in Neuhausen neu und vertrieb gemeinsam mit seiner Frau Anna Autoteile. Nach seinem Tod 1969 sprang Sohn Peter ein, Jahrgang 1945, frisch diplomierter Maschinenbauer. In den 1970er-Jahren zog er mit der Firma an den Frankfurter Ring, 2001 nach Dachau. Da hatten er und seine Frau Ulrike die Autoteile längst aufgegeben und sich mit einem breiten Sortiment ganz auf die produzierende Industrie fokussiert. 99 Millionen Euro Umsatz bewegte die Firma im letzten Jahr vor der Coronakrise.

 

Familienunternehmen durch und durch

 

Tochter Elisabeth, Betriebswirtin, Mutter von zwei Kindern, ist also die dritte Generation und schon 18 Jahre im Unternehmen. Gleich nach ihrem Studium an einer englischsprachigen Privatuniversität bei Freiburg stieg sie bei ihrem Vater ein, mit dem sie noch möglichst lange zusammenarbeiten wollte. Der jüngere Bruder Max (38) ist sogar noch länger dabei, weil er bereits während seines Ingenieurstudiums in München mitgearbeitet hat. Die Mutter, lange Jahre Personalchefin, schied schon etwas früher aus, der Vater 2017.

Seitdem sind Elisabeth und Max alleinvertretungsberechtigte Geschäftsführer. Im Gesellschafterkreis ist neben den Eltern noch eine ältere Schwester (Jahrgang 1966) vertreten, die in Berlin im Filmgeschäft arbeitet. »Sie hat gezeigt, dass man auch gehen kann und dass das genauso in Ordnung ist«, sagt Meister.

 

Jeder braucht Kundenkontakte

 

Der Vater, der nun dem Beirat vorsitzt, sei natürlich glücklich, dass Max und sie übernommen hätten. Dabei ist unter den Geschwistern nicht nur Frieden. »Wir rauschen aneinander und dann raufen wir uns wieder zusammen«, sagt die Geschäftsführerin, die für Finanzen, Controlling, E-Commerce und Marketing verantwortlich zeichnet. Der Bruder steuert Technik, IT und Vertrieb. »Jeder braucht Kundenkontakte«, erklärt Meister diese Aufteilung und erläutert: »Max und ich haben aktiv an unserer Beziehung gearbeitet. Da gibt es ganz viel Reflexion untereinander.«

 

»Konsenskommunikation« innerhalb der Familie

 

Hilfreich sei gewesen, dass der Vater immer die Hand über sie beide gehalten habe. »Wir wurden gehört, wir durften einfach machen – auch anders machen«, sagt die Unternehmerin und spricht von »Konsenskommunikation« innerhalb der Familie. Wie die Firmenanteile und Stimmrechte aktuell genau verteilt sind, will sie gar nicht präzisieren: »Es geht nicht um Macht.« Trotz Gesellschaftervertrag und Geschäftsordnung sei der Umgang zwischen den Generationen direkt und formlos. Ein externer Coach hilft diskret. Dass schon in der Kindheit die Firma ständig präsent und die Urlaube kurz waren, erinnert Meister nicht als Belastung: »Das Thema Unternehmen war immer positiv besetzt.«

 

Acht Standorte

 

Dabei ist das Geschäft beinhart. 15.000 Kunden beliefert Meister mit 2,5 Millionen Artikeln, davon sind 100.000 Teile ständig auf Lager. Die Firma ist das Scharnier zwischen den Teileherstellern und dem produzierenden Gewerbe. Große Mengen einkaufen, kleine Chargen ausliefern, und zwar schnellstens und taktgenau, weshalb es neben der Zentrale in Dachau sieben Standorte gibt. Antriebstechnik, Werkzeugtechnik, Fluidtechnik – das sind die Schwerpunkte.

Es gibt Kunden, die Teile beziehen, um sie im Produkt zu verbauen (OEM-Kunden), und andere, die sie in der eigenen Produktion nutzen (MRO-Kunden). Service und technische Beratung, Projektierung und Optimierung in der konkreten Fertigungssituation sind zusätzliche Leistungen, mit denen Meister sich dem starken Preisdruck entziehen und von Wettbewerbern abgrenzen möchte. Konkurrenten sind nicht nur andere Großhändler, die durch Akquisitionen immer größer werden. Das sind auch die großen Onlineplattformen wie Amazon Business oder Contorion, die das Industriegeschäft längst besetzt haben. Und das sind nicht zuletzt die Hersteller selbst, die beim Kunden persönlich aufschlagen und ihm helfen, seine Probleme zu lösen.

 

"Wir müssen schneller sein und clever."

 

Der Ausweg? »Wir müssen schneller sein und clever«, sagt Meister. Glücklicherweise ist Bruder Max ein begeisterter Digitalisierer und Prozessoptimierer. Außerdem seien die Mitarbeiter gedanklich nah dran am Kunden, sähen seine »Schmerzpunkte«, könnten Mehrwert bieten, erklärt Meister: »In unserem Heimatmarkt Bayern haben wir ein ordentliches Standing. Wir brauchen uns nicht zu verstecken.«

Nicht nur Corona hat die Firma arg gebeutelt. Die Herausforderung begann schon vorher, im Jahr 2019, als Automobilindustrie und Zulieferer in Richtung Rezession steuerten. In dem Jahr verzeichnete die Firma Ludwig Meister den ersten Verlust der Firmengeschichte – geschuldet der korrekten Bestandsbewertung und auch der Verschmelzung des Mainzer Zukaufs Rheinwerkzeug aus dem Jahr 2015. Dann kam Corona. Zwar kauft der Großhändler nicht direkt in China ein, sondern über europäische Hubs. Trotzdem konnten teils Mengen nicht erfüllt, Termine nicht gehalten werden. Die Kunden ihrerseits konnten die Produktion nicht am Laufen halten oder wurden ihre Exportware nicht los, weil im zweiten Halbjahr 2020 die Transportkapazitäten fehlten.

 

Gelernt, mit Veränderungen umzugehen

 

Seit Februar 2021 verzeichne man aber wieder steigende Auftragseingänge und Umsätze, sagt die Geschäftsführerin. Pufferkäufe und eine noch stärker automatisierte Steuerung des Bedarfs sollen künftige Krisen bewältigen helfen. Meister hat noch weitere Erkenntnisse aus der Coronakrise gewonnen: »Wir haben gelernt, dass wir mit Veränderungen umgehen können. Dass wir die Bedürfnisse des Unternehmens mit einem familienfreundlichen Leben zusammenbringen können. Dass wir gegenüber den Mitarbeitern ein Stück Kontrolle aufgeben können. Und wir haben unser Kostenbewusstsein verstärkt.«

Die nächsten zehn Jahre will Elisabeth Meister nun mit ihrem Bruder in der Firma beherzt gestalten. »Wir schwimmen uns frei«, beschreibt sie diesen Prozess. An den Übergang zur nächsten Generation (auch der Bruder hat drei Kinder) denkt sie noch nicht: »Wie ich uns kenne, werden wir uns auch mit diesem Thema rechtzeitig beschäftigen.«

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