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Auf den Spuren von da Vinci - Lastendrohnen made in Bayern

Auf den Spuren von da Vinci - Lastendrohnen made in Bayern

Das Start-up-Unternehmen BEE appliance entwickelt und fertigt Lastendrohnen. Diese sollen künftig schwere Lasten in der Luft transportieren und dadurch Bodenwege meiden. Ein lukratives und zukunftsträchtiges Geschäftsmodell: Das Unternehmen aus Beilngries entwickelt bereits Fluggeräte für Kunden aus Deutschland, Mitteleuropa und darüber hinaus. Der Gedanke, vertikal abheben und landen zu können, ist gewiss nicht neu. BEE appliance nimmt ihn jedoch zum Anlass, um einen internationalen Markt zu bedienen, der sich immer mehr nach Lösungen für Gütertransporte auf Luftwegen sehnt.

 

Leonardo da Vinci war gewiss ein Ausnahmekönner auf seinen vielen Gebieten. Als Künstler ist er in die Geschichte eingegangen, sein Gemälde der Mona Lisa ist wohl das bekannteste überhaupt. Doch auch Da Vinci scheiterte seinerzeit – als Ingenieur. Dem Traum vom Fliegen, den die Menschheit schon seit jeher verfolgt, versuchte auch er näherzukommen, indem er um 1490 ein Fluggerät mit Luftschraube skizzierte. Bauen konnte er sie aufgrund von ungeeignetem Material nicht, es blieb bei der Skizze, die er „Helix Pteron“ (griech. Wendel Flügel) nannte. Heute steht sie für den Vorläufer eines modernen Helikopters.

 

 

Rund 530 Jahre später, Beilngries, Bayern. In einem 200 Quadratmeter großen, durch hohe weiße Stellwände abgetrennten Bereich in einer um ein Vielfaches größeren Werkhalle, befindet sich ein Prototyp dessen, was Da Vinci damals vorschwebte: ein Fluggerät, welches vertikal starten, fliegen und landen kann. „Es geht bei uns nicht um den Traum vom Fliegen“, stellt Felix Arnold klar. „Uns geht es darum, wie ich Dinge von A nach B transportieren kann, ohne dafür eine Straße zu benutzen. Das ist unser Anspruch.“ Felix Arnold ist Geschäftsführer von BEE appliance, einem fünf Mitarbeiter starken Start-up, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Lastendrohnen zu entwickeln und zu bauen. Das Gerät in der Halle von BEE appliance befindet sich in der Entwicklungsphase.

 

"Multikopter sind die leichtere und kostengünstigere Variante."

Felix Arnold, Geschäftsführer Bee appliance

 

Seit Januar 2019 finden die ersten Flugtests auf dem Betriebsgelände der Firma Biersack Aerospace statt. Multikopter aus dem Hause BEE appliance können in verschiedenen Gebieten zum Einsatz kommen. „Wenn auf einer Öl-Plattform Spezialwerkzeug nötig ist, muss meist ein Helikopter bestellt werden. Das ist teuer und die Helikopter sind schwer. Zudem muss noch ein Pilot bereitgestellt werden, der wieder extra Kosten verursacht. Multikopter sind die leichtere und kostengünstigere Variante“, sagt der 58-Jährige. Bei den Anfragen, die das Start-up bislang erhalten hat, geht es ausschließlich um unbemannte Fluggeräte. Eine der Anfragen kam beispielsweise aus der Industrie, bei der ein Unternehmen einen Kopter einsetzen möchte, um Material innerhalb des Firmengeländes von A nach B zu transportieren. „Das macht durchaus Sinn, wenn Maschinen, Hallentore oder normaler Fußgängerbetrieb die Bodenwege versperren“, sagt Felix Arnold. 

 

 

 

"Schneller als jeder Bodentransport sind wir sowieso."

Felix Arnold

 

Angetrieben wird die sogenannte „BEE reference unit“ durch eine Kleingasturbine, die den angeschlossenen Generator permanent mit Energie versorgt. „Die Turbine wird mit rund 60 Litern Diesel betankt, der Generator erzeugt daraus exakt die Menge an Strom, welche der Kopter tatsächlich verbraucht“, erklärt Felix Arnold. Mit 20 Litern pro Stunde und einer Transportlast von aktuell 60 Kilogramm kann der Kopter bis zu zweieinhalb Stunden fliegen. Dabei erreicht er eine Maximalgeschwindigkeit von 120 Kilometer pro Stunde. „Das hört sich im ersten Moment nicht viel an“, sagt Arnold, selbst leidenschaftlicher Segelflieger, „doch wir reden hier von Luftlinienentfernung ohne Umwege auf den Straßen.“ Damit könnte der Kopter theoretisch die rund 300 Kilometer lange Luftlinienstrecke von München nach Frankfurt in den angegebenen zweieinhalb Stunden hinter sich bringen. Zum Vergleich: dieselbe Strecke ist auf Straßenwegen mit zusätzlichen rund 100 Kilometern wesentlich länger, die Fahrzeit mit dem Auto ebenfalls. „Schneller als jeder Bodentransport sind wir sowieso“, betont Felix Arnold.

Damit auf solchen Strecken risikoarmes Fliegen sichergestellt ist, entwickelt BEE appliance die Multikopter ausschließlich mit sechs anstatt vier Rotoren. „Würde einer von vier Rotoren ausfallen, gerät der Kopter in Schieflage und kann nicht vernünftig landen. Bei sechs Rotoren ist eine kontrollierte Landung auch dann möglich, falls einer oder zwei von ihnen nicht mehr funktionieren sollten.“

 

 


Aktuell arbeitet BEE appliance an Geräten mit einem maximalen Startgewicht von bis zu 200 Kilogramm, die Transportlast von 60 Kilogramm einbegriffen. Der nächste Schritt sieht vor, das Startgewicht auf bis zu 500 Kilogramm zu erhöhen und im Zuge dessen auch schwerere Lasten von bis zu 200 Kilogramm transportieren zu können. Mit diesen Werten ließen sich die Geräte bemannen. „Hätten wir einen 500-Kilogramm-Kopter hier stehen, dürften wir sofort einen Piloten hineinsetzen und losfliegen. Bei einem autonomen Gerät mit diesem Gewicht dürften wir gar nicht erst abheben“, verweist Felix Arnold auf europäische Flugregeln.

 

25 Jahre Erfahrung Automotive-Bereich in Stuttgart

 

Bei den aktuellen Gesprächen mit Kunden geht es um Anwendungen ohne Piloten. „Ein Pilot würde zusätzlich Geld kosten, vielleicht mehr als das Gerät selbst“, sagt der Unternehmensgründer und ergänzt: „Es macht deshalb aus unserer Sicht Sinn, den Kopter autonom fliegen zu lassen.“Felix Arnold weiß, wovon er spricht und kennt die Branche genau. Bevor er 2015 das Unternehmen BEE appliance ins Leben gerufen hat, war er 25 Jahre lang im Automotive-Bereich in Stuttgart tätig. Eher durch Zufall stieß der gebürtige Heidelberger zwei Jahre nach der Gründung auf einen von aktuell drei Investoren, Dominik Biersack. „Auf einer Unternehmenspräsentation für Start-ups haben wir uns kennengelernt“, erzählt der 39-jährige Dominik Biersack, einer der Gesellschafter der Biersack Gruppe, für die Ludwig Meister als zuverlässiger Lieferant agiert.

 

Felix Arnold und Dominik Biersack

"Wenn die Jungs Hilfe brauchen, kriegen sie die volle Unterstützung von unserem Team."

Dominik Biersack, Mitglied der Unternehmensleitung Biersack Gruppe


Seit 70 Jahren ist Biersack bereits am Markt und hat sich mit Hochpräzisionsbauteilen bei Fräs- und Drehmaschinen einen Namen gemacht. Die Branche Luft- und Raumfahrtindustrie gehört dabei zu einem der Aushängeschilder des Unternehmens. „Deshalb haben wir gedacht, dass BEE appliance und wir sehr gut zueinander passen. Wir haben uns dann nicht nur als Investor eingebracht, sondern stellen auch Sachleistungen wie Büroräume und Unternehmensfläche“, sagt Dominik Biersack.
Seit März 2018 ist BEE appliance auf dem insgesamt 6.500 Quadratmeter großen Gelände des Familienunternehmens in Beilngries beheimatet. Zudem fungiert Biersack als Lieferant für das Start-up. „Wir nehmen eine dreifache Rolle ein: Investor, Vermieter und Lieferant. Die Zusammenarbeit zwischen uns und BEE appliance läuft sehr gut.

Wenn die Jungs Werkzeuge oder Hilfe mit Maschinen brauchen, kriegen sie die volle Unterstützung von unserem Team“, sagt Dominik Biersack. Für Felix Arnold und sein Team ist die Zusammenarbeit ein Glücksgriff: „Vieles klappt nur, weil sich Biersack für uns eingesetzt hat.“ Mit zunehmender Dauer hat sich eine Freundschaft zwischen beiden Geschäftsführern entwickelt: „Wir wären längst per Du, aber in der Außenkommunikation ist per Sie einfacher“, schmunzelt Felix Arnold und ergänzt: „Ich fühle mich sauwohl hier.“

Bis der Prototyp des Kopters in der Halle von BEE appliance in den Test- und Demo-Betrieb auf einem nahegelegenen Testgelände (Designated-Flight-Zone) gehen kann, werden noch einige Monate vergehen. „Ein Projekt, von Kundenanfrage bis zum Demobetrieb eines Kopters, dauert rund zwei Jahre“, erklärt Felix Arnold.

Die Entwicklung eines Geräts, speziell auf die Wünsche des Kunden gemünzt, nimmt in der Regel mehr als 18 Monate in Anspruch. Ein erster Zwischenschritt, bei dem das Gerät erstmalig abhebt, erfolgt nach 14 Monaten. „Wenn dann alles glatt läuft, montieren wir die Endausrüstung und bereiten den finalen Demobetrieb vor. Es ist ein sehr intensives Arbeiten, aber das Wichtigste ist: es macht allen Spaß“, sagt Felix Arnold.

 

Ein BEE appliance Prototyp im Aufbau

„Technisch soll der Kopter in Zukunft als 500-Kilogramm-Gerät im Demobetrieb fliegen."

Felix Arnold


Als Kenner der Branche hat der BEE appliance- Gründer natürlich bestimmte Vorstellungen, in welche Richtung sich sein Start-up in den kommenden Jahren entwickeln soll. „Technisch soll der Kopter in Zukunft als 500-Kilogramm-Gerät im Demobetrieb fliegen. Wichtig ist, dass wir den Kopter in Serie fertigen können“, gibt Felix Arnold Einblick in seine Pläne. Aus wirtschaftlicher Sicht soll das Unternehmen künftig eine solche Stabilität haben, dass es ohne frisches Kapital auskommt. „Aktuell sind wir kapitalhungrig, um gewisse Schritte vollziehen zu können. In fünf Jahren soll BEE appliance aber ein selbsttragendes Unternehmen sein.“

Felix Arnold will sich mit BEE appliance auf dem Markt des Gütertransportes in der Luft einen Namen machen, zusammen mit seinem zuverlässigen Partner Biersack an der Seite und einem erfahrenen Mitarbeiterteam im Rücken. Ein halbes Jahrtausend später setzt BEE appliance dort an, wo andere scheiterten.
Ein Hauch von Da Vinci im bayerischen Beilngries.

 

Website BEE appliance

 

 

Mehr über BEE appliance und die Zusammenarbeit mit unserem Kunden Biersack in einem Podcast aus der Reihe Max und die SupplyChainHelden - Max im Gespräch mit Dominik Biersack:

The sky is the limit –

Innovation zwischen Tradition und Startup

im Altmühltal.

 

Zum BEE appliance Podcast

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