Dichtstoffe – Flüssigdichtungen
Dichtstoffe sind plastische und/oder elastische Massen auf Basis bestimmter Polymere. Sie werden zum Abdichten von Fugen, Nähten, Flächen und Durchbrüchen verwendet. Bei Erfüllung dieser Aufgaben stellen die Dichtstoffe eine „Brücke“ zwischen den Oberflächen der Werkstücke aus gleichen oder unterschiedlichen Materialien her. Der Funktionsmechanismus wird wesentlich von folgenden Faktoren beeinflusst:
- Durch Oberflächenhaftung des Dichtstoffes zum Werkstück (Adhäsion).
- Durch Festigkeit innerhalb des Dichtstoffes (Kohäsion).
Silikon-Dichtstoffe
Silikon-Dichtstoffe werden standardmäßig als 1-Komponenten-Produkte geliefert und vernetzen durch Aufnahme von Luftfeuchtigkeit zu einer elastischen Masse. Die Hautbildung tritt bereits nach wenigen Minuten bis zu einer halben Stunde ein, die Aushärtegeschwindigkeit beträgt je nach Fugenquerschnitt, Luftfeuchtigkeit und Temperatur 1–2 mm/Tag. Silikone zeichnen sich durch ihre UV-Beständigkeit, Medienbeständigkeit und hohe Temperaturbeständigkeit, je nach Einstellung von –40 bis +250 oC, aus. Die max. zulässige Dauerbewegung beträgt 25 %. Die physikalischen und chemischen Eigenschaften können durch unterschiedliche Rohstoffbasen und Rezeptmodifizierung, z. B. speziell für den Sanitär- oder Lebensmittelbereich, eingestellt werden.
Silikone sind nicht anstrichverträglich.
Erläuterung der Begriffe Anstrichverträglichkeit und Überstreichbarkeit
Anstrichverträglichkeit: Es gibt keine schädigende Wechselwirkung zwischen dem Dichtstoff, dem Anstrich und angrenzenden Baustoffen. Das Anstrichmittel auf dem Dichtstoff muss im Randbereich der Fuge 1 mm begrenzt werden.
Überstreichbarkeit: Der Dichtstoff kann ganzflächig überdeckend mit einem oder mehreren Anstrichen beschichtet werden, ohne dass sich schädigende Wechselwirkungen ergeben. Das System Dichtstoff/Beschichtung muss folgende Forderungen erfüllen:
- Mängelfreie Beschichtung der Dichtstoffoberfläche.
- Einwandfreie Durchtrocknung der Beschichtung.
- Keine Farbänderungen der Beschichtung.
- Haftung der Beschichtung auf dem Dichtstoff.
- Dehnfähigkeit ohne Rissbildung in der Beschichtung.
Bewegungsausgleichende Dichtstoffe dürfen nicht ganzflächig überstrichen werden, da die Beschichtung geringer dehnbar als der Dichtstoff ist. Die Folge wäre eine Haarrissbildung in der Beschichtung sowie Kerbrissbildung mit nachfolgenden Fugenschäden.
Acryl-Dichtstoffe
Polyacrylat-Dichtstoffe werden als wasserhaltige 1-komponentige Produkte (Dispersion) geliefert. Die Härtung erfolgt durch Verdunsten des Wassers, die Hautbildung nach 15 bis 30 Minuten. Je nach Einstellung härten diese Systeme bei der Anwendung zu plastoelastischen Dichtungsmassen. Die maximal zulässige Dauerbewegung liegt bei 10 %. Solange der Dichtstoff noch keine Haut gebildet hat, ist die Fuge vor dem Auswaschen zu schützen.
Acryl-Dichtstoffe sind anstrichverträglich.
Polyurethan-Dichtstoffe
Polyurethan-Dichtstoffe sind einkomponentige, lösungsmittelfreie Dichtstoffe auf Basis von feuchtigkeitsvernetzenden Polyurethanen. Sie härten durch Aufnahme von Luftfeuchtigkeit zu einer elastischen Dichtungsmasse aus. Je nach Einstellung sind diese Massen weich- bis hartelastisch. Die maximal zulässige Dauerbewegung liegt bei 10 bis 25 %.
Polyurethan-Dichtstoffe sind anstrichverträglich.
Gewindedichtungen
Gewindedichtungen in Flüssiger Form verhindern den Austritt von Gasen und Flüssigkeiten bei Rohrverbindungen. All diese Verbindungen sind aufgrund von Vibrationen, sich ändernden Druckverhältnissen oder Temperaturschwankungen als dynamisch anzusehen. Anaerobe Dichtstoffe von LOCTITE® härten zu unlöslichen zähen Kunststofffüllungen aus, die unabhängig von auftretenden Drehmomenten Leckagen verhindern. Gewindedichtungen sind anaerobe Einkomponentenfüllstoffe, die die mikroskopisch kleinen Spalten zwischen ineinandergreifenden Gewinden ausfüllen. Sie polymerisieren bei Metallkontakt unter Luftausschluss zu einem zähen Feststoff.
Flächendichtungen
Feststoffdichtungen stellen sehr hohe Ansprüche an die Oberflächengüte der Dichtflächen. Zudem entstehen schnell sehr hohe Lagerhaltungskosten, bedenkt man die unzähligen Gehäuseformen, die jeweils eine Bevorratung individuell zugeschnittener Flachdichtungen bedingt.
Flüssigdichtungen sind von der Dichtflächenform unabhängig und daher universeller einsetzbar. Sie sorgen daher für eine geringere Lagerhaltung. Zudem haben Flüssigdichtungen den Vorteil, dass sie sich perfekt an die Oberfläche anpassen bevor sie aushärten. So entstehen auch bei gröberen Oberflächen keine Spalten, die Dichtwirkung bleibt bestehen und eine Korrosion an den Dichtflächen wird vermieden.